Übersichtskarte

Mittwoch, 18.07.2018

Auf nach Inuvik und Tuktoyaktuk

Die Reise geht weiter. Immer noch nicht Alaska, aber mich reizt es ja schon lange richtig, richtig weit in den Norden zu reisen, also so weit nach oben bis es nicht mehr weiter geht und jetzt mache ich es einfach. Nachdem ich hier jetzt einige Leute hier getroffen habe, die sich auf den Weg nach Inuvik (und mache auch noch weiter bis nach Tuktoyaktuk) gemacht haben, will ich das jetzt auch.

Die meisten, mit denen ich bisher gesprochen habe oder von denen ich gelesen habe, sind mit dem Auto über dem Dempster Highway die 1.223 km hoch nach Inuvik gefahren und dann von dort die 150 km mit dem Flugzeug weiter nach Tuktoyaktuk geflogen. Außer vielleicht noch mit Boot war der zweite Teil auch gar nicht machbar, denn es gab bisher keine Straße. Diese wurde nach ca. vier Jahren Bauzeit erst am 15. November 2017 fertiggestellt (wegen dem Permafrost dauerte das so lange).

Am Mittwoch, den 25. Juli geht es für mich fünf Tage hoch in die Tundra und ich habe mich jetzt entschlossen die Reise einfach umgekehrt zu machen.

Zunächst fliege ich von Whitehorse bis nach Inuvik. Ich habe mich gegen die Autofahrt entschlossen, da es mit dem Mietwagen kaum möglich ist (die Autovermietungen lassen in der Regel gar keine Schotterpisten zu und ein Autokauf lohnt sich für die verbleibende Zeit einfach nicht mehr). Außerdem sind mir die 1.223 km Schotterpiste und das Campen alleine bis da hoch ohne Handyempfang doch etwas zu gewagt. Viele haben von geplatzten Reifen berichtet und bis da Hilfe in Form von anderen Reisenden kommt, kann halt dauern.

Dann habe ich mir (wenn alles klappt) in Inuvik einen Mietwagen organisiert und will einfach die letzten 150 km „neue Straße in Form einer Lehmpiste“ alleine bis nach Tuktoyaktuk fahren“ (vorausgesetzt das Wetter spielt mit, bei Regen raten sie nämlich davon ab).

Erst wollte ich alles fliegen, aber bei meinen Recherchen und Reisevorbereitungen musste ich feststellen, dass die Flüge mit Öffnung der neuen Straße für die Sommermonate leider eingestellt wurden. Dann wollte ich die ganze Idee schon canceln, weil wenn schon hoch, dann auch ganz hoch. Und dann kam mir die Idee es einfach umgekehrt zu probieren. So entgeht mir zwar die Fahrt auf dem Dempster Highway, aber den letzten Rest fahre ich immerhin selbst und ich komme doch noch zu meiner vierten kanadischen Provinz bzw. Territorium. Nachdem ich nun schon in British Columbia, Alberta und dem Yukon war, kann ich dann auch endlich sagen, dass ich die Northwest Territories bereist habe.

Da man nur 10 kg Gepäck mitnehmen darf, werde ich mein Hab und Gut bei Stefan lassen und nur mit meinem Rucksack und Zelt reisen. In Inuvik habe ich mir jetzt für die ersten zwei Nächste einen Zeltplatz gebucht und in Tuktoyaktuk werde ich ggf. einfach im Auto übernachten oder mir noch ein Zimmer gönnen. Jetzt kommen auch endlich mein Zelt und der neue Schlafsack zum Einsatz.

Inuvik hat übrigens immerhin noch ca. 3.250 Einwohner, Tuktoyaktuk dann nur noch 900.

Endlich einmal zu den Inuit. Hach ich bin gespannt!

Sonntag, 15.07.2018

Mal wieder Zeit für eine HaarGeschichte

Jetzt habe ich ja schon lange nichts mehr über meine Haare geschrieben. Deshalb ist es für mich an der Zeit, hier mal wieder festzuhalten, wie es mir gerade so geht, um es immer wieder nachlesen zu können.

Vor einigen Tagen hatte ich überraschend das Bedürfnis eine Nachricht an die tolle und vor allem mutmachende Facebook-Seite "Die vielen Gesichter von Alopecia Areata" zu schreiben, um dort kurz zu berichten, wie es mir von Beginn an bis heute mit dem Haarausfall ergangen ist. Jetzt ist mein Beitrag veröffentlicht worden und ich da ich weiß, dass sich auch einige fragen, wie ich zwischenzeitlich damit umgehe, glaube ich, dass mein kurzer Beitrag es ganz gut zusammenfasst:

 

Hallo Sam,

ich bin auch schon etwas länger Mitglied hier in der Gruppe (betroffen bin ich seit Juni 2016) und war 2017 auch beim Kongress in Schwäbisch-Hall (also da haben wir uns schon mal gesehen). Der Kongress war für mich damals in der Hochphase des Haarausfalls und als es mir gar nicht gut ging der „letzte Strohhalm“ und ich kann im Nachhinein echt sagen, dass es ab da wieder etwas bergauf ging. Mein Beschluss mich von Beginn der Krankheit an gegen jede Behandlungsmethode zu entscheiden hat sich durch den Austausch mit anderen Betroffenen auf dem Kongress nochmal gefestigt und danach konnte ich so langsam anfangen mich so anzunehmen. Im Dezember 2017 wurde es dann so schlimm, dass ich endlich den Mut gefasst habe mir die Haare abzurasieren.
Seit März 2018 mache ich meine „Eigentherapie“ und reise gerade durch Kanada und Alaska und dachte vielleicht können meine Erfahrungen auch einigen Betroffenen etwas Mut machen. Ich war am Anfang dermaßen unsicher was das Kennenlernen von neuen Leuten angeht und hatte ziemliche Bedenken wegen dem Flug (z.B. Sicherheitskontrolle ohne Haare), der Zimmersuche und dem freiwilligen Arbeiten, was ich hier gerade mache. Seit ich unterwegs bin, habe ich (bzw. mein Freund, der mich auch sehr unterstützt hat) auf meinem Blog ein bisschen über meine Erlebnisse, auch im Zusammenhang mit den „den Haaren“ geschrieben, z.B.:


http://timeforwildhair.auslandsblog.de/laufen-hilft-immer-und-hier-irgendwie-sogar-noch-ein-bisschen-mehr/


http://timeforwildhair.auslandsblog.de/und-die-sache-mit-den-haaren-verdraengen-oder-doch-erwaehnen/


http://timeforwildhair.auslandsblog.de/on-the-road-stop-at-lilloet-dreimal-abgeschnitten-und-immer-noch-zu-kurz/


Da ich die positiven Beiträge auf Eurer Seite so ermutigend finde dachte ich, ich schreibe Euch auch mal. Ich weiß, dass sich nicht jeder so eine Auszeit leisten kann, um sich so intensiv mit der Krankheit auseinanderzusetzen, aber nach meinen Gesprächen mit anderen Betroffenen weiß ich mittlerweile, dass sich viele so dermaßen zurückziehen und das Leben nicht mehr richtig genießen können. Mir ging es ja auch eine Weile so, aber ich wollte das für mich nicht zulassen. Ich dachte vielleicht kann ich damit zeigen, dass viele Ängste einfach nur in unserem Kopf vorhanden sind. Ich habe mich von Anfang gegen eine Perücke und für Mützen entschieden, da ich so viel draußen unterwegs bin und gerne Sport mache und ich habe bisher glücklicherweise nur positive Erfahrungen gemacht und außer vermehrte Blicke (mit denen ich mittlerweile ganz gut zurechtkomme) interessiert es die meisten Leute eigentlich gar nicht.
Mittlerweile geht es mir tatsächlich wieder besser und die Haare sind etwas in den Hintergrund getreten. Ich hoffe einfach, dass es so bleibt und wenn ihr irgendwas als „Mutmach-Geschichte“ von meiner persönlichen Geschichte posten wollt würde ich mich freuen.

Viele Grüße und macht weiter so mit Eurer Seite!
Isabell

  

 

Die Facebookseite und den Beitrag (der zum Veröffentlichen etwas umgeschrieben wurde) findet ihr übrigens unter:

https://www.facebook.com/AlopeciaGesichter/

Donnerstag, 12.07.2018

Noch mal ein kurzer Rückblick auf die Farm nach Dawson City

Ich hatte zu meinem Artikel noch gar nicht alle Fotos hochgeladen. Also wer noch mehr interessante Bilder von meinem Farmleben und von Dawson City (und noch ein Video von der Flussüberquerung des Klondike Rivers) sehen mag, kann einfach noch einmal hier klicken. Heute hatte ich so viel Zeit, dass ich endlich alles fertig machen konnte.

Wie man sieht haben Mr. Stripes und ich den freien und eher nassen Tag heute sichtlich genossen und die meiste Zeit gemütlich in meinem Zimmer unterm Dach verbracht.

Donnerstag, 12.07.2018

Bei der Arbeit

Obwohl Stefan meinte heute nehmen wir uns frei (es tröpfelt schon den ganzen Morgen so vor sich hin und es sind auch nur 11 Grad draußen), arbeite ich hier ab und zu auch mal ein bisschen was. Momentan bin ich ziemlich viel mit Streichen beschäftigt. Rund um die Hütten gibt es einige Flächen, die wetterbedingt mal wieder etwas Farbe vertragen können. Das macht eigentlich ziemlich viel Spaß, weil man genau wie beim Unkraut jäten danach einfach sieht, was man geschafft hat. Da man dem Unkraut hier aber beim Wachsen förmlich zuschauen kann, hält die Freude allerdings nicht ganz so lange an wie bei der frischen Farbe;)

Beim Streichen.

Fertig. So kann sich die Terrasse doch wieder sehen lassen.

Samstag, 07.07.2018

Kleine Hüttentour in Tagish

Ich dachte ich führe Euch mal kurz über das Grundstück, damit ihr seht wo ich mich gerade aufhalte:

 

Wer Lust bekommt hier auch mal Urlaub zu machen kann ja mal Stefans Website besuchen: http://www.tagish-cabins.com/.

Hier übrigens noch die Fotos wie ich das Outhouse vorhin vorgefunden habe. Ich hatte schon alles fertig und dann hat man solche Gäste. Nur Arbeit hat man hier;)

Montag, 02.07.2018

Bootstour mit Angeln und Lagerfeuer auf dem Marsh Lake

Nachdem ich heute mit Putzen fertig war fragte Stefan mich heute, ob ich nicht Lust hätte mit ihm, seiner Tochter und den zwei Kindern aus seiner Patchworkfamilie mit dem Boot rauszufahren. Da musste er mich natürlich nicht zweimal fragen und wir sind dann den ganzen Tag auf dem Marsh Lake unterwegs gewesen. Einen Sabling haben wir sogar gefangen und abends natürlich auch direkt gegessen - so lecker, daran könnte ich mich gewöhnen. Ich bin erst fünf Tage hier, aber habe irgendwie das Gefühl schon einiges gesehen zu haben. 

Wir lassen das Boot ins Wasser.Das BootAuf dem Boot, mit Verpflegung natürlich.Wir warten alle gespannt, ob was anbeißt.Wir haben einen Saibling gefangen.  Da ist der Prachtkerl.Zwischenstopp auf der Halbinsel.Ein WeißkopfseeadlerDas macht schon Spaß so über den See zu heizen.

Sonntag, 01.07.2018

Meine zweite Station im Yukon: Tagish

Seit Donnerstag bin ich bei Stefan auf seiner "Wilderness-Lodge" in Tagish. Was soll ich sagen? Man kann es einfach nicht mit meinen beiden letzten, etwas extremeren Wochen vergleichen. Das ist momentan wie Urlaub im Urlaub und ich fühle mich ziemlich wohl hier.

Er vermietet zwei Cabins (Holzhütten) und ich helfe ihm beim Putzen und übernehme momentan sozusagen das "Housekeeping". Am Freitag sind zwei Österreicher ausgecheckt und ich habe die Betten frisch bezogen und alles geputzt, um am Nachmittag die neuen Gäste (eine fünfköpfige Filmcrew, die hier im Yukon einen Film über Jack London drehen) in Empfang zu nehmen, während Stefan die beiden Österreicher zum Ausgangspunkt ihres dreiwöchigen Kanutrips gefahren hat. Die Filmcrew bleibt jetzt bis Mittwoch und sie verpflegen sich selbst, so dass sich meine morgendlichen Aufgaben momentan lediglich auf das Putzen der beiden Outhouses (Klos) und des Duschhäuschens beschränken. Ansonsten habe ich bisher ein bisschen Büsche und Gras geschnitten und mache gerade das Unkraut ums Haus weg. Nächste Woche steht wohl noch etwas mehr Gartenarbeit an und wenn neue Gäste kommen, dann habe ich mit dem Vorbereiten der Hütten natürlich wieder etwas mehr Arbeit. 

In meiner Freizeit kann ich nun also wieder mehr schreiben, lesen und die nächsten Wochen planen, wobei so viel Freizeit bleibt irgendwie gar nicht. Gestern hat Stefan mich mit zum Gleitschirmfliegen genommen, also ich habe nur zugeschaut, bzw. bin mit hochgewandert und habe beim Start geholfen und dann ein Teil seiner Ausrüstung wieder runtergetragen und ihn später mit seinem Auto am Landeplatz abgeholt. Er meinte, wenn ich mag könne ich mal mitfliegen, aber ich bin noch etwas unschlüssig (wobei ich das ja schon länger auf meiner Liste stehen habe). Das wäre natürlich ein Abenteuer und noch dazu ein Flug im Yukon. 

Der Aufstieg mit dem riesengroßen und schweren Rucksack, in dem sich der Gleitschirm befindet.Kurz vor dem Start am Abgrund.

Heute (also 1. Juli) ist Canada Day und ich bin dann mit Stefans Fahrrad nach Tagish gefahren (wir wohnen außerhalb). Nach Tagish gefahren hört sich gut an. Eigentlich ist hier nichts bzw. man sieht von Tagish so gut wie nichts. Vereinzelt sieht man ein paar Häuser und es gibt ein größeres Gebäude (so was wie ein Gemeindehaus) und da war heute war sogar eine Parade, also eine Art Umzug zum Canada Day (immerhin ca. 80 Leute sollen da gewesen sein), aber leider war alles schon vorbei bis ich kam. Ich bin dann so noch ein bisschen Fahrrad auf dem Highway gefahren und habe anschließend noch den Tante-Emma-Laden gesucht, den es hier geben soll. Ich habe ihn dann auch gefunden und habe mich erstmal mit einem Eis, zwei Schokoriegeln und einer Limo eingedeckt, um wenigstens irgendwas zu kaufen. Ich hatte mir den Laden tatsächlich "etwas" größer vorgestellt und habe den Besitzer ganz ungläubig gefragt, ob das wirklich der Laden sei und er lachte und meinte ja mehr gibt es hier nicht. Es gab ein paar Getränke und dann standen da noch einige vereinzelte Lebensmittel im Regal (hauptsächlich Konserven) und ein Kühlschrank mit einigen Restbeständen an Käse und einigen wenigen gekühlten Waren. Ah und dann noch ein Regal mit Chipstüten und ein Ständer mit Postkarten und die Schokoriegel an der Kasse sowie die Eistruhe. Ich dachte es gäbe vielleicht auch Drogerieartikel, aber leider Fehlanzeige. Es gab wirklich nur einzelne Restbestände von allem. Ich hätte am liebsten ein Foto gemacht, aber das war etwas unpassend. Während ich anschließend mein Eis draußen gegessen habe, habe ich mich noch länger mit dem Besitzer unterhalten und er fährt jeden Dienstag die ca. 100 km nach Whitehorse und kauft die Waren für den Laden ein. Er meinte es ist dann ziemlich wetterabhängig wie viel dann los sei. Bei guten Wetter ist sein Laden wohl einer der Haupttreffpunkte hier. Aber auch im Winter bei der Eiseskälte ist dies dann einer der wenigen Plätze an dem die paar Leute hier zusammenkommen.

Heute war dann auch noch Stefans achtjährige Tochter Suna zu Besuch und abends haben wir dann gemütlich Hotdogs am Lagerfeuer gegessen. Also wieder ein sehr schöner und entspannter Tag. 

Unser Lagerfeuer mit Hotdogs und einem kanadischen Bier.

Mittwoch, 27.06.2018

Kurzer Zwischenstopp in Whitehorse

Seit gestern Mittag bin ich wieder zurück in Whithorse. Ich habe leztendlich beschlossen statt drei nur zwei Wochen bei Becky und Paul zu bleiben, da ich gerne noch mehr sehen will (und ich habe natürlich wieder viel mehr gearbeitet also ich gemusst hätte, dass muss sich einfach ändern!)

Jetzt da ich wieder WLAN habe hier nun auch endlich meine Erlebnisse bei den beiden (einfach nach unten scrollen oder hier klicken):

18.06.18 - Meine ersten Tage bei Becky und Paul auf der Farm

und

21.06.18 - Was treibe ich auf der Farm eigentlich den ganzen Tag so?

Meine geänderten Reisepläne ließen sich ohne Probleme in die Tat umsetzen. Becky hat mir bei unserem Kirchenbesuch am Sonntag in Dawson direkt eine Fahrt mit Vicky und ihrem Mann Dale vermittelt. Die beiden sind nach Whitehorse gefahren um Einkäufe, Arztbesuche und einen Werkstatttermin zu erledigen und haben mich die 600 km mal eben einfach so mitgenommen. So bin ich die Strecke jetzt einmal geflogen und einmal mit dem Auto gefahren und konnte mich hautnah davon überzeugen, dass zwischen Dawson City und Whitehorse tatsächlich so gut wie NICHTS außer WILDNIS PUR ist. Unglaublich schön und ganz nach meinem Geschmack.

Ich habe mich nun einfach mal zwei Tage in dem echt netten Hostel hier in Whitehorse einqaurtiert, ohne richtigen Plan was ich eigentlich als nächstes machen will (sehr untypisch für mich), aber das hat sich dann heute irgendwie ziemlich schnell geklärt. Ich stand die ganze Zeit noch mit einem deutschen Auswanderer in Kontakt, der hier in der Nähe von Whitehorse Wildnis- und Hüttenurlaube für Touristen anbietet. Er sucht ebenfalls etwas Hilfe im Austausch für Unterkunft und Verpflegung. Wir haben dann heute telefoniert und ich habe mich kurzerhand entschlossen mich ins nächste Abenteuer zu stürzen. Morgen geht es also wenn alles klappt zu Stefan nach Tagish (etwa 100 km von Whithorse entfernt und ca. 220 Einwohner). Wir treffen uns morgen Mittag in der Stadt und dann lasse mich erneut überraschen... 

Im HostelhochbettIm SechserzimmerIn der KücheDer gemütliche Aufenthaltsraum

Samstag, 23.06.2018

Rückmeldung aus der Wildnis

Ich bin nach wie vor auf Beckys und Pauls Farm und vernachlässige meinem Blog gerade etwas, da ich leider kein WiFi habe und somit nichts hochladen kann. Aber die Berichte folgen, sobald ich wieder etwas mehr in der Zivilisation bin;)

***Jetzt sind die beiden Berichte (18.06. und 21.06.18) nachstehend endlich online.***  

Donnerstag, 21.06.2018

Was treibe ich auf der Farm eigentlich den ganzen Tag so?

Um 07:15 Uhr heißt es aufstehen und gegen 07:30 Uhr gibt es Frühstück bei Becky im Haus. Ihr Mann Paul ist übrigens kurz nach meiner Ankunft für zwei Wochen nach Fort Nelson gefahren, (um dort das frühere Haus zu verkaufen), so dass wir die Arbeit auf der Farm gerade komplett alleine erledigen. Zwischen 08:00 Uhr und 08:30 Uhr geht es dann als erstes zu den Ziegen zum Melken und füttern. Ich durfte es auch versuchen, bei Becky geht das schneller und flüssiger, aber immerhin es kam was. Zwei Babyziegen werden gerade mit der Flasche großgezogen. 

Anschließend werden dann die Hühner versorgt, inklusive der kleinen Küken, die aber in sechs bis acht Wochen alle geschlachtet werden. Parallel wird auch schon mal nach Eiern geschaut; den größten Teil legen sie aber erst am Vormittag und dann muss später nochmal eingesammelt werden. Bis alle mit Futter, frischem Heu und Wasser versorgt sind, sind irgendwie schon mindestens 1,5 Stunden rum. Anschließend wird die Ziegenmilch verarbeitet (zu verschiedenen Käsesorten, Butter, Sahne oder Milch) und die ist wirklich so lecker. Parallel habe ich dann schon die  in die Kartons einsortiert und diese verkaufsfertig beschriftet. Dann ist es auf jeden Fall schon 10:00 Uhr und es kann mit der Gartenarbeit begonnen werden, d.h. endlose Reihen Unkraut zupfen oder ich habe den Mist in die Schubkarrre geladen und als Dünger zwischen den Beeten verteilt. Darüber hinaus haben wir im Gewächshaus oder auf dem Feld umgetopft oder gepflanzt. Ach ja und gestrichen habe ich zwischendurch auch. Sie bauen gerade ein neues und größeres Gewächshaus, (alles in Eigenregie aus Baumstämmen). Die Holzteile dafür habe ich dann weiß angepinselt.  

Um 12:00 Uhr ist dann Mittagessen angesagt und ich hatte immer so einen Hunger nach der Arbeit draußen. Anschließend geht es dann wieder in den Garten bis es um 18:00 Uhr dann endlich das lang ersehnte Abendessen gibt. Anschließend heißt es dann wieder füttern und noch gießen und ich habe dann immer noch den riesen Berg Geschirr gespült (von dem Verarbeiten der Milch müssen etliche Töpfe, Eimer und Gläser gespült werden sowie das ganze Kochgeschirr), was mit einem Kessel heißem Wasser und zwei kleinen Wannen eine besondere Herausforderung ist und ganz großen Spaß macht. Gegen 20:00 Uhr ist dann alles notwendige erledigt. Zwischendurch sitze ich natürlich auch mal mit meinem Buch am Wasser und lese, aber meistens schaue ich schon mit und helfe und frage Becky alles was mir so einfällt, einfach weil es mich auch interessiert hat. Zudem besteht auch gar nicht die Möglichkeit viel anderes zu machen, da die Farm so abgelegen liegt, dass wir gar nicht wegkommen. Jedes Mal, wenn wir in die Stadt wollen, müssen wir den nicht ganz ungefährlichen Klondike River überqueren und seit Becky und Paul letztes Jahr einmal mit dem Kanu gekentert sind, übernimmt ihr Sohn alle Fahrten. Das heißt Sie müssen jede Überquerung mit ihm absprechen und dann heißt es Schwimmwesten anziehen und wenn das Wasser hoch genug ist, dann geht die Fahrt mit dem Motorboot relativ schnell und problemlos. Wenn der Wasserstand allerdings zu niedrig ist, dann muss das Kanu herhalten und dann ist jede Fahrt ganz schöne Arbeit. Also nachdem ich das jetzt einige Male mitgemacht habe bewundere ich die ganze Familie und kann manchmal nicht so ganz glauben, dass sie sich das wirklich freiwillig antun. Aber ich habe sie gefragt und sie würde es wieder machen. Besonders die Flussüberquerung macht alles so kompliziert und alles muss geplant und abgesprochen werden. Vieles muss auch auf den Winter verschoben werden. Wenn der Fluss gefroren ist, dann kann einiges rüber geschafft werden (z.B. Maschinen), was im Sommer gar nicht möglich ist. Aber es gibt auch die Zeit in der einfach gar nichts geht, wenn das Eis schmilzt sitzt man im Prinzip für einige Zeit fest. Die Kinder werden im Winter auch zum Teil von zu Hause unterrichtet, weil sie nicht in die Schule kommen.

Zwischendurch fallen natürlich noch so viele weitere Arbeiten an: Wassertanks auffüllen, zum abgelegenen Garten fahren und Pumpen zum Bewässern anstellen, Gras mähen, Wäsche waschen mit der mobilen Waschmaschine und 2,5 Eimern kalten Wasser, Salat putzen, etc. 

Am Wochenende habe ich ja im Prinzip frei, aber trotzdem heißt es da eigentlich genauso früh aufstehen, wenn ich mit in die Stadt will. Es muss auch gefüttert und gemolken werden, damit wir anschließend rechtzeitig mit dem Boot übersetzen und bei den Nachbarn alles auf den Truck laden können (hier hat Becky ein kleines Lager mit Kühlmöglichkeit für die Eier und hier stehen auch ihre ganzen eingemachten Köstlichkeiten. Immer wenn das Boot unter der Woche rüberfährt dann wird dort schon was dort ins Lager gepackt). Anschließend geht es dann voll beladen in die Stadt und es heißt im Sommer jeden Samstag Stand aufbauen und dann ist Markt von 11-17 Uhr. Hier verkauft sie ihre Eier, die eingemachten Konserven und auch selbstgemachte Handarbeiten. Auch hier habe ich natürlich gerne geholfen und Becky mal kurz vertreten und mir dann anschließend Dawson City angeschaut. 

Das Wohnhaus von vorne.Die Küche im Haus.Die FarmBecky schmeißt die Wasserpumpe an, um das Feld zu bewässern.Das Feld mit neu angelegtem Gemüsegarten.Damit sind wir über die Farm geheizt, um nicht alles laufen zu müssen.Beim Ziegen mit der Flasche aufziehen.Farmers Market in Dawson City.Beckys Stand auf dem Markt.Die Trinkwassereimer und wir waschen Wäsche......in der mobilen Waschmaschine mit kaltem Wasser.Beim Milch verarbeiten.Die baby chickens.Bereit zum Streichen in Pauls und Becky alten Klamotten.Ein Teil meiner gestrichenen Werke. Vertrebungen für das neue Gewächshaus.Mit der Säge werden weitere Latten für das Gewächshaus hergestellt.Dann werden die geschnittenen kleinen Latten versetzt aneinander gelegt, eingespannt und gebogen, dann zusammengetackert und ergeben so eine halbrunde lange Verstrebung.So ein toller Hund. Sie bewacht die Ziegen und darf leider nie raus aus dem kleinen Gehege.Das Gewächshaus. So ähnlich wird auch das Neue aussehen, nur größer.Im Gewächshaus.Beim Tomaten umtopfen.Das Motorboot zur Überquerung des Klondike Rivers.Ich verteile den Mist als Dünger zwischen den Beeten.Kurz bevor wir den Fluss queren, müssen wir mit unserem ganzen Zeug immer noch durch dieses Wasserloch.Becky und ich auf dem Klondike River im Boot.Becky und ich machen Pause.So hell ist es übrigens nachts zwischen ein und drei Uhr :)Ich habe hier noch keine Windschutzscheibe gesehen, die nicht kaputt ist (diese ist jetzt etwas extrem). Aber solange keine Risse im Sichtfeld sind, muss man das auch nicht reparieren.

Ja Dawson City - The Heart of the Klondike Gold Rush! Bisher kannte ich das ja nur aus dem Fernsehen und von Bildern und endlich war ich auch dort. Ich kann verstehen warum es so viele da hinzieht. Der Ort hat schon etwas Besonderes. Hier einfach ein paar Eindrücke. Ich glaube man muss da selbst hin und entweder man mag diese Lebensweise hier im Yukon oder man kann damit nichts anfangen. 

Blick auf Dawson City. Man sieht an der Farbe des Wassers, wo der Klondike und der Yukon River zusammenfließen.

Die Cabin (Hütte) von dem berühmten Schriftsteller und Journalist Jack London.Ganz Dawson City hat diese Holzgehwege.Die Cabin (Hütte) von Robert Service (ein bekannter kanadischer Dichter und Schriftsteller).Auch nochmal ein Blick auf Dawson City von der anderen Seite.

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